Rezensionen

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Südwest Presse

Baracken, Bataillone und Bâtiments

Von Alexander Ogger


Was haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Ex-Bundespräsident Horst Köhler, Schlagersänger Bernd Clüver und Sternekoch Vincent Klink gemeinsam? Antwort: Alle waren als Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Münsingen. Der Schießplatz mitsamt dem Alten Lager, welcher heute Kern des Biosphärengebiets Schwäbische Alb bildet, wird in diesem Jahr 125 Jahre alt.


Anlässlich dieses Jubiläums legt der Journalist Joachim Lenk sein sehr gelungenes Werk mit dem Titel „Baracken, Bataillone und Bâtiments“ vor. Auf 272 Seiten beschreibt der Oberstleutnant der Reserve die Epochen, von der Kaiserzeit über den Ersten und Zweiten Weltkrieg bis hin zur Verwendung durch die Französische Armee und die Bundeswehr und bis zur Schließung.


Aus dem Alten Lager wurde inzwischen das „Albgut“, das seit fünf Jahren dem ehemaligen Nudelfabrikanten Franz Tress gehört. Mehr als 950 Postkarten, Pläne und Fotos runden den Lesestoff ab, der in dreijähriger Archivarbeit und im Gespräch mit circa 200 Zeitzeugen entstanden ist.

Schwäbisches Tagblatt

Vom Truppenübungsplatz zur „Albgut“-Erlebniswelt

Von Thomas de Marco


Als Joachim Lenk 1985 über den Münsinger Truppenübungsplatz robbte, hatte er noch keine Ahnung, dass er mal zum großen Chronisten der Militärgeschichte auf der Münsinger Alb werden würde. Mittlerweile hat der freie Journalist, der damals als Öffentlichkeitsarbeiter und Brigadefotograf bei der Bundeswehr zu seinem Job gekommen ist, sein siebtes Buch geschrieben: „Baracken, Bataillone und Bâtiments“ schildert auf 272 reich bebilderten Seiten die Geschichte des Militärs von 1895 bis 2005 auf und rund um den ältesten und größten Truppenübungsplatz in ganz Süddeutschland sowie dessen zivile Verwendung danach.


Dafür hat Reserveoffizier Lenk mit über 200 Zeitzeugen gesprochen und dabei von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler erfahren, dass auch sie in Münsingen, dem „Schwäbisch Sibirien“, gedient haben – wie auch der verstorbene Schlagersänger Bernd Clüver oder Fernsehkoch Vincent Klink.


Besonders verdienstvoll: Der Journalist dokumentiert erstmals die Geschichte des Vorlagers, in dem die Versorgung des gesamten Militär-Komplexes angesiedelt war – von der chemischen Dampfwaschanstalt über Großbäckerei, Schlachterei oder Hotel bis zum Foto-Atelier. Enorm ist das Angebot an Bildern, das es den Betrachtern ermöglicht, sich selbst ein umfassendes Bild zu machen von der Geschichte des 6700 Hektar großen Geländes, das nach dem Zweiten Weltkrieg von den Franzosen übernommen worden war.


Die meisten Aufnahmen stammen von ehemaligen Soldaten, die gegen die Vorschrift geknipst haben. Allen voran Brigadefotograf Lenk, der viele seiner Negative von damals aufbewahrt und damit für die historische Aufarbeitung bewahrt hat. Zudem hat der Autor eine Sammlung von etwa 400 Ansichtskarten, mit denen er die nun 125 Jahre zurückreichenden Anfänge des Schießplatzes präsentieren kann. Wenn was fehlt, hilft ihm ein Münsinger Bildersammler, der sogar rund 3000 Ansichtskarten besitzt.


Auch Tübinger Geschichte findet sich in dem umfangreichen Buch: 1999 wird ein Gedenkstein für die Toten und Vermissten der 1944 aufgestellten 78. Infanterie und Sturmdivision von der Neckarinsel in Tübingen nach Münsingen versetzt. Zuvor hatte eine Gruppe Tübinger Pazifisten gegen den „Stein des Anstoßes“ mobil gemacht, da die Soldaten bei ihrem Rückzug aus Russland an Hitlers Politik der verbrannten Erde beteiligt waren.


Das Vorwort zum interessanten Buch hat Günther Oettinger geschrieben – für Lenk ist der ehemalige Ministerpräsident und einstige EU-Kommissar aber nicht irgendein ein Promi, mit dem sich sein Werk schmückt. Vielmehr sei es Oettinger zu verdanken, dass das Alte Lager des Truppenübungsplatzes als geschlossenes Ensemble erhalten geblieben ist – als einzige Kasernenanlage in ganz Deutschland aus dieser Zeit.


Lenk ist froh, dass der ehemalige Münsinger Nudelfabrikant Franz Tress Millionen in dieses rund 72 Hektar große Areal investiert hat, um die Erlebniswelt „Albgut“ mit Manufakturen, Räumen für Events, Kulturwerkstätten, Gastronomie und Museen aufzubauen. Dort  untergebracht ist auch das Besucherzentrum des Biosphärengebietes, dessen Herzstück und Keimzelle der Truppenübungsplatz ist. Was den Autor beim „Albgut“ besonders freut: Dank des Militärmuseums und einer noch original eingerichteten Soldatenbaracke „werden auch die militärischen Ursprünge des Areals nicht vergessen!“

Alblust

Einst im Alten Lager

Von Claudia List


Vor 125 Jahren fiel der erste Schuss auf dem Truppenübungsplatz. Der Anlass für den Journalisten und Reserveoffizier Joachim Lenk, mit Zeitzeugen zu sprechen und in Archiven zu forschen, um die wechselvolle Geschichte des Geländes rund um das Alte Lager darzustellen.


Mit vielen sehenswerten historischen Fotos und Postkarten beschreibt er sie nun vom Aufbau der Gebäude über die 1930er-Jahre, als unter den Nationalsozialisten die Einrichtung groß ausgebaut wurde, bis zum Ende der militärischen Nutzung 2005 und dem Albgut, das zum Ziel für Touristen werden soll.

Alb Bote

Baracken, Bataillone und Bâtiments

Von Gudrun Grossmann


Es sind hochtrabende Pläne. Das Geld sprudelt nur so. 43 Millionen Deutsche Mark sind schon investiert, weitere 34 sollen folgen. Alles sieht danach aus, dass das Alte Lager kräftig auf Vordermann gebracht wird. Münsingen könnte durch die Stationierung von 1200 Soldaten den Wegfall der Herzog-Albrecht-Kaserne besser verkraften. Deren Schließung wird von Bürgermeister Mike Münzing beim Frühjahrsempfang im frisch renovierten Offizierskasino bedauert. Es ist der 6. Januar 2002. Sechs Wochen später geht ein Fax in den Redaktionen ein. Der Verteidigungspolitische Sprecher Rainer Arnold (SPD) verrät: „Altes Lager und Truppenübungsplatz werden Ende 2005 geschlossen.“ Die Nachricht schlägt wie eine Bombe ein.


Die Münsinger Militärgeschichte ist damit Geschichte. Es folgen Aufmärsche und Paraden, emotionsgeladene Reden, Marschmusik ertönt, mit großem Paukenschlag werden die Fahnen eingeholt. Das tatsächliche Ende ist weniger spektakulär. Am 30. Dezember 2005, zehn Minuten nach zehn Uhr, trägt Stabsfeldwebel Volker Mohl eine Kiste mit ein paar Utensilien aus dem Ortslazarett. Er ist der allerletzte Soldat, der quasi das Licht ausmacht.


Es spricht für Joachim Lenk, dass er in diesem stillen Moment dabei ist. Und nicht nur bei den vielen offiziellen Anlässen. Als Journalist und Hobbymilitärhistoriker interessiert er sich auch für Geschehnisse, die die Menschen unmittelbar betreffen, ganz egal, ob sie eine Uniform tragen oder nicht.


Bereits sechs umfassende Werke hat er veröffentlicht, dabei den Kreis um Münsingen, wo er lebt und arbeitet, immer weiter gespannt. Mit seinem 276 Seiten umfassenden Buch „Baracken, Bataillone und Bâtiments“, das jetzt im Wiedemann Verlag erschienen ist, kehrt er zu seinen Ursprüngen zurück. Im Alten Lager war er als aktiver Soldat, später als Reserveoffizier bei Wehrübungen eingesetzt. Er kennt das 72 Hektar große Militärcamp seit gut 35 Jahren.


Mit der für ihn typischen Akribie hat er die wechselvolle Geschichte recherchiert und rechtzeitig zum Jubiläum „125 Jahre Schießplatz“ veröffentlicht. Das Besondere daran: Er bezieht das zivile Leben stark mit ein, erreicht damit auch Leser, die mit dem Militär nichts am Hut haben. Es ist spannend zu verfolgen, wie stark die Gesellschaft mit diesem abgeschirmten System verknüpft war, wie sich die Wirtschaft, besonders auch der Tourismus entwickelt hat.  Und wie es letztendlich zu einem geradezu märchenhaften Ende kam.

Dort, wo mehrere Generationen von Soldaten für kriegerische Auseinandersetzungen gedrillt wurden, lebt heute alte Handwerkskunst wieder auf, gibt es Platz für kreative Ideen, entstehen Genuss-Stätten und Freiräume für Kunst, Kultur und viel Natur. Das „Albgut“ ist schon jetzt ein Magnet und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Blühende Landschaften statt verbrannter Erde, das trifft auch auf den früheren Truppenübungsplatz zu. Er ist das Herzstück des 85 000 Hektar großen Biosphärengebiets.


Lenk unterhält sich mit rund 200 Zeitzeugen. Er wälzt Akten und durchforstet alte Zeitungsbände. Was er da zu Tage fördert, ist zum Teil recht kurios, zum Beispiel der Bau einer Kaninchenzuchtanlage, nicht selten auch tragisch. Denkt man nur an die Gefangenen im Lager Gänsewag. Russen, Franzosen, Italiener, sind da zusammengepfercht, den deutschen Soldaten geht es 1915 nicht besser. So schreibt Rekrut Bohn an seine Eltern: „In so einer Barak liegen 112 Mann. Hier ist es einmal sehr heiß, dann wieder sehr kalt. Brot bekommen wir all vier ein Laib. Da kommt mancher ums Brot.“


Bis zu 40 000 Soldaten jährlich führen im Alten Lager Befehle aus. Sie dienen im Kaiserreich, in der Reichswehr, der Wehrmacht, der Bundeswehr, nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg auch ausländischen Verbänden. Mit dem Abzug der französischen Militärs im Jahr 1992 geht eine gewisse Leichtigkeit verloren. Den Älblern, so ist an vielen Stellen herauszuhören, hat das „Le savoir vivre“ ganz gutgetan, viele Freundschaften entstanden sind.


Bis zum gemeinsamen Aperitif war es ein weiter Weg. Das Bild vom geselligen Beieinander steht im krassen Widerspruch zu den Kriegstreibern und Verbrechern, die hier aufmarschiert sind. Allen voran Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring. Ein unsägliches Kapitel ist auch die Aufstellung der 4. Italienischen Gebirgsdivision „Monte Rosa“. Faschist Benito Mussolini schreitet die Front ab. Im Februar 1945 inspiziert General Andrej Wlassow seine sogenannte russische Befreiungsarmee in Münsingen. Wenige Wochen später, am 24. April, erreichen die Amerikaner das Alte Lager und hissen ihre Flagge auf dem Münsinger Rathaus. Ein paar Monate später haben dann die Franzosen im „Camp de Munsingen“ das Sagen.


13 Jahre vergehen, dann beginnt der militärische Alltag mit dem Aufziehen der französischen Trikolore und der Bundesdienstflagge. Längst ist das Verbindungskommando eingerichtet. Als Charles des Gaulle 1962 gemeinsam mit Franz Josef Strauß zu Besuch kommt, dürfen sich die deutschen Soldaten und Angestellten jedoch nicht blicken lassen. Lenk listet kleinere und größere Konflikte auf, im Nachhinein darf darüber geschmunzelt werden.


Die Panzer ziehen ab, Porsche und Mercedes kreuzen auf. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernimmt das Areal im Jahr 2006 und schließt unter anderem mit Autokonzernen Mietverträge ab. Studenten treffen sich zur Sommerakademie, schutzsuchende Asylbewerber finden vorübergehend ein Dach über dem Kopf, die Messe „schön und gut“ lockt tausende Besucher an. Und am Eingang öffnet das Biosphärenzentrum seine Tore.


Das hätte sich König Wilhelm II. nicht träumen lassen, als er im August 1895 mit seiner Unterschrift die Zwangsenteignung von Grundstücken anwies und damit dem Militär Tür und Tor öffnete. Allein die Zeit von den   Anfängen bis zum Abzug hätten für einen Wälzer gereicht. Joachim Lenk aber hat in unermüdlicher Arbeit zudem jenen eine Bühne gegeben, die in keinem Geschichtsbuch auftauchen. Sie heißen Rauscher oder Hellstern, Hudelmaier oder Manz.  Sie und viele andere gründeten Unternehmen, mehr oder weniger erfolgreich. Die Strickwarenfabrik, die Mineralwassergroßhandlung, die Chemische Dampfwaschanstalt, die Schlächterei, nicht einmal an das berühmte Münsinger Kommissbrot wird sich heute noch einer erinnern. Was ist aus dem Kolonialladen mit Konditorei Schill geworden oder dem Frisier-Salon Söll?


Jedem Schicksal hat Lenk nachgespürt. Es geht um ganz großes Kino, um Dramen, herzerweichende Liebesgeschichten, unerfüllte Träume, um Intrigen, um unglaubliche Aufstiege und nicht selten einen Fall ins Bodenlose. Diese Kapitel erzählen auch von Schlachtfeldern, aber diese sind ganz anderer Natur. Besonders große Verluste gab es bei den Gastwirten. Da wurde in der Not mal schnell ein neuer Name aufgezogen. Was klingt besser? „Grüner Kranz“ oder Disco „Crazy Ann“? Als im Albhof die „Oben-ohne-Bar“ Barbarella bis 4 Uhr früh dem „verwöhnten Gast“ offenstand oder das „Plesdonat“ mal wieder brannte, war dies Stadtgespräch.


Legendär waren die Konzerte im Lichtenstein und die Damenkränzchen im Café Waldeck, den Schützen gibt es heute noch – und wieder das gute alte Tonfilm-Theater. Im Abspann von seinem Buch kann Joachim Lenk also auch viel Positives berichten.

Schwäbische Zeitung

Eine 125-jährige Epoche wird auf 272 Seiten lebendig

Von Hansjörg Steidle


Ein Buch zum Alten Lager und ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen hat Journalist Joachim Lenk herausgebracht, das den Titel „Baracken, Bataillone und Bâtiments“ trägt. Die Veröffentlichung hat seinen Grund: 2020 feiern das Alte Lager und der einstige Schießplatz Münsingen, inzwischen Herzstück des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, den 125. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums veröffentlichte Hobbymilitärhistoriker und Reserveoffizier Joachim Lenk ein neues Nachschlagewerk, das die letzten Jahrzehnte bis heute in und um die Soldatensiedlung Altes Lager Revue passieren lässt.


Sein 272 Seiten umfassendes Buch mit sehr vielen historischen Bildern hat Joachim Lenk unlängst bei einem kleinen Festakt im einstigen Offizierscasino in Anwesenheit des früheren EU-Kommissars Günther Oettinger, Münsingens Bürgermeister Mike Münzing und Franz Tress, dem heutigen Besitzer des Alten Lagers, präsentiert.


Viel Lob und Dank erhielt der Buchautor für sein fundiertes Werk mit sehr vielen Fakten und Daten zum Alten Lager wie zum einstigen Truppenübungsplatz. Anwesend bei dem Festakt war selbstverständlich auch Verleger Wolfgang Wiedemann aus Münsingen, in dessen Verlag das fundierte Werk Lenks erscheint. „Sie haben die Geschichte des Alten Lagers und einstigen Truppenübungsplatzes hervorragend festgehalten und eine lange Ära beleuchtet. Das verdienst Respekt und Anerkennung“, erklärte Oettinger. Das Buch wecke viele Erinnerungen, vor allem für die Soldaten, die einst in Münsingen stationiert waren.


Das fundierte Werk mit den vielen Fotos dokumentiere hervorragend die fünf Epochen im Alten Lager und auf dem Schießplatz, betonte Franz Tress und zeigte den Wandel der Zeit im Alten Lager auf, der in dem Buch Lenks gut beschrieben werde. Ein dickes Lob und Anerkennung kam bei der Buchpräsentation auch von Münsingens Bürgermeister Mike Münzing. Es sei eine tolle Idee aus Anlass der Gründung des Truppenübungsplatzes und des Lagers die 125-jährige Geschichte aufzuarbeiten und ein Buch herauszubringen, meinte Münzing. Buchautor Joachim Lenk kennt das Militärcamp seit 35 Jahren, zwischen 1985 und 2005 war der Oberstleutnant der Reserve dort zuerst als aktiver Soldat, dann als Wehrübender unterwegs. Seit 1990 kennt er das Alte Lager als freier Journalist, über das er immer wieder für verschiedene Zeitungen berichtet.


Zur Geschichte des Platzes und Lagers, die Lenk in seinem Buch sehr gut darstellt: Am 24. Oktober 1895 gab es das erste Schießen auf dem Truppenübungsplatz. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten für die ersten Baracken des neuen Militärcamps Altes Lager. Im jahr 1897 weihten die Militärs die ersten Wirtschaftsgebäude, die Offiziersspeiseanstalt, die Badeanstalt, die Ställe, die Generalswohnung und die Mannschaftsunterkünfte ein. Nach der Jahrhundertwende folgten weitere Baracken und das Postgebäude.


Nach dem Ersten Weltkrieg nutzten lange Zeit nur noch vereinzelt Soldaten der Reichswehr den Übungsplatz, sodass das Alte Lager nur noch selten belegt war. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 herrschte wieder militärischer Hochbetrieb in der Soldatensiedlung, in der wieder kräftig renoviert und gebaut wurde.


Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die französische Armee (42. Groupement de Camp) das rund 72 Hektar große Gelände mit damals noch mehr als 200 Gebäuden. Von Herbst 1957 an nutzte dann die Bundeswehr ebenfalls das Lager, das sie Mitte 1992, nach dem Abzug der Franzosen, komplett übernahm.


Mit der Schließung des Münsinger Truppenübungsplatzes am 31. Dezember 2005 endete auch die militärische Nutzung des Alten Lagers. Mehrere Hunderttausend Soldaten übten während ihrer Dienstzeit auf dem Schießplatz beziehungsweise nächtigten in der Barackensiedlung. So zum Beispiel 1912 Leutnant Erwin Rommel, 1929 Fahnenjunker Claus Schenk Graf von Stauffenberg, 1963 Panzerschütze Horst Köhler (später Bundespräsident), 1967 Fahnenjunker Wolfgang Schneiderhan (später Generalinspekteur der Bundeswehr), 1969 Gefreiter Bernd Clüver (Schlagersänger), 1969 Gefreiter UA Winfried Kretschmann (heute Ministerpräsident) und 1969 Gefreiter Vincent Klink (heute Fernseh- und Sternekoch).


In dem Buch wird auch auf das Lager Feldstetten/Gerätehauptdepot eingegangen, das von 1916 bis 2007 existierte und von einem Automobilzulieferer gekauft wurde. Autor Lenk beleuchtet ferner das sogenannte Vorlager in Auingen und den ehemaligen Gutsbezirk Münsingen, zu dem die inzwischen rekommunalisierte Wohnsiedlung Breithülen mit dem Remontedepot gehörte. Die Hauptstraße in Auingen, einem Stadtteil von Münsingen, verläuft ein Stück südlich des Alten Lagers.


Mit dem Bau des Schießplatzes und der Truppenunterkunft Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich im Vorlager Hoteliers, Geschäftsleute, Fabriken und Lokale an. Anrührende Familiengeschichten, die Träume von Aufsteigern und der Niedergang ganzer Dynastien belegen, wie stark die Stadt durch die Ansiedlung der Soldaten geprägt worden ist. Bis auf die Großschlächterei Hudelmaier, die Produktionsstätte der Limonadenfabrik Rauscher, das Soldatenheim und die französische Wohnsiedlung Kapf, die Mitte der 1960er-Jahre gebaut wurde, existieren heute noch alle anderen Gebäude.


Während der vergangenen drei Jahre hat Lenk mit mehr als 200 Zeitzeugen gesprochen und verschiedene Archive besucht. Aus der Vielzahl der Fotos, Pläne und Postkarten, die er zusammengetragen oder selbst gemacht hat, hat der Wiedemann Verlag mehr als 950 im Buch veröffentlicht. Die meisten davon sind zum ersten Mal zu sehen.


Aus dem Alten Lager wurde inzwischen das Albgut, das dem ehemaligen Münsinger Nudelfabrikanten Franz Tress seit fünf Jahren gehört. Derzeit ist er dabei, die ehemalige Soldatensiedlung „zu einer zivilen, nachhaltigen Wohlfühlwelt“ umzugestalten. Der einstige EU-Kommissar und ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (2005 bis 2010), der den Münsinger Truppenübungsplatz und das Alte Lager mit militärischer und ziviler Nutzung kennengelernt hat, schrieb das Vorwort.


„Es lag nahe, zum 125. Geburtstag des Schießplatzes mit Barackenlager ein Buch zu schreiben, zumal ich mit dem Areal und der Geschichte eng verbunden bin und die Ereignisse rund um den einstigen Truppenübungsplatz über Jahre begleitet habe“, erklärt Joachim Lenk. So war er beispielsweise als Berichterstatter mit dabei beim Abzug des französischen Militärs 1992, beim letzten abgefeuerten Schuss auf dem Platz 2004, bei der Verabschiedung der Soldaten und der Schließung des Camps 2005, beim Verkauf des Alten Lagers an Franz und Annegret Tress.

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